Der Sextant

Übungen mit dem Sextant an Land

Kurze Erklärung für Nicht-Segler:

Mit einem Sextant wurde, bevor es seit Mitte der 1990er Jahre GPS gab, auf hoher See navigiert. Man misst damit die Höhe von Sonne, Mond, Planeten oder Fixsternen über dem Horizont und kann damit eine Standlinie berechnen. Mit einer 2. Messung und dem Schnittpunkt der berechneten Standlinien bekommt man einen Schiffsort, der Punkt, an dem sich das Schiff gerade befindet.

In meiner Ausbildung zum Sporthochseeschifferzeugnis, das später in den Sporthochseeschifferschein umgeschrieben wurde, habe ich gelernt, wie man mit einem Sextanten die Position eines Schiffes bestimmen kann. Diese Art der Positionsbestimmung wird kaum noch angewendet, man verlässt sich auf die Navigation mit GPS. Das Wissen wird aber benötigt bei der Prüfung zum Sporthochseeschifferschein.

Hier ein paar Gründe, warum der Sextant auch heute noch in Gebrauch ist (nach Cassens & Plath):

Hochseenavigation

Der Sextant ist ein Notfallnavigationsinstrument, da es heutzutage genügend elektronische Instrumente gibt.

Um die Position mit einem Sextant zuverlässig bestimmen zu können benötigt man Erfahrung im Umgang und den Berechnungen.

Die Astronomische Navigation und Handhabung eines Sextanten sollte daher regelmäßig trainiert werden, um diese im Notfall richtig durchführen zu können.

Daher ist der Sextant besonders für die Hochseenavigation gefragt.

Zuverlässigkeit

Es gibt viele elektronische Navigationsinstrumente, welche mit GPS gekoppelt sind. Elektronik bedeutet immer eine Abhängigkeit vom Bordnetz. Dieses kann aufgrund von technischen oder menschlichen Fehlern ausfallen. Auf hoher See ist man dann „blind“.

Als mechanisches Winkelmessinstrument kann der Sextant auch ohne Strom weiterhin für die Positionsbestimmung eingesetzt werden.

Manipulation

Auch wenn man sich heutzutage auf die GPS-Systeme verlässt, können diese vom Betreiber ausgeschaltet oder die Nutzung limitiert werden. Außerdem kann das lokale GPS Signal mit einfachen Mitteln und von jedem manipuliert / „gejammt“ werden.

Übungen mit dem Sextant an Land

Da die Handhabung eines Sextanten nur möglich ist, wenn man es trainiert, ist es sehr praktisch, wenn man auch an Land üben kann. Dazu benötigt man entweder einen künstlichen Horizont, den man als Zubehör zum Sextanten für 130€ kaufen kann. Die Messungen sind damit aber ungenau. Oder man kauft sich den künstlichen Horizont von der Firma Davis für etwa 100€. Es handelt sich dabei um eine kleine Wanne, die mit Wasser gefüllt wird. Sie ist mit Sonnenschutzgläsern dachförmig abgedeckt. Die Messung damit ist schwierig, da die Wanne sehr klein ist.

Besser geht es mit einer einfachen kleinen, flachen Schüssel oder Wanne, die man mit Wasser oder einer anderen Flüssigkeit füllt und dann auf eine Trittleiter stellt.

Man muss die Wanne so stellen, dass die Sonne an der Flüssigkeitsoberfläche reflektiert wird und man gleichzeitig die wahre Sonne und die reflektierte Sonne sehen kann. Dann misst man mit dem Sextanten den Winkel zwischen der Sonne und der auf der Flüssigkeitsoberfläche reflektierten Sonne. Der gemessene Winkel wird anschließend durch 2 geteilt. Mit diesem Verfahren habe ich intensiv geübt und damit immer wieder die Position meiner Terrasse bestimmt. Als Flüssigkeit kann man neben Wasser auch z.B. Öl oder Sirup benutzen, da dann auch bei leichtem Wind eine glatte reflektierende Oberfläche vorhanden ist. Messungen mit dem Mond oder Planeten sind auch möglich.

Eine Zeichnung zur Erklärung:

Wenn die Sonne genau 45 Grad über dem Horizont steht, misst man mit dem Sextanten einen Winkel von 90 Grad zwischen der Unterkante der wahren Sonne und der Oberkante der gespiegelten Sonne.